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Vor 100 Jahren
So lebte der Mensch vor 100 Jahren
bei uns auf dem Lande
Die Gaststätte Esmark um 1890.
Mit oftmals 3 Generationen unter dem Dach einer kleinen Kate lebten die Menschen in Großfamilien.
Durchschnittlich zählte jede Familie mindestens 5 Kinder.
Zur Kate gehörten eine Kuh, ein Schwein, Hühner und
etwas Land zur Selbstversorgung mit Kartoffeln, Obst und Gemüse.
Elektrischen Strom erreichte die Landbevölkerung nach 1895. Vorher übernahmen Petroleumlampen und Laternen die
Beleuchtung, Geheizt wurde durch Öfen, die mit Holz, Torf oder Kohle befeuert wurden. Ein großer Holzherd mit Beikessel
diente zum Kochen.
Ein Keller, Pökel-oder Räucherfleisch, Engemachtes und Engelegtes (wie Eier im Wasserglas) ersetzten den
fehlenden Kühlschrank.
Neuigkeiten aus aller Welt erfuhr man durch Zeitungen und Briefe. Für den engeren Raum reichten meist die
„Nachrichtenbörsen" beim Kaufmann, der Gastwirtschaft, Meierei, Schmiede oder Friseur. Radio, Fernsehen oder
gar Telefon waren Fremdwörter.
Die Wasserversorgung erfolgte mittels Handpumpe. Statt Waschmaschine gabs
„Waschpann" oder „Waschballig", statt Spülklosett „Tante Meier" auf dem Hof.
Die Kleidung bestand aus derbem Leinen. Über eine Garnitur „bestes Zeug" verfügte fast jeder. Frauen trugen
dunkle, lange Arbeitskleidung mit Schürze, zum Melken zusätzlich eine „Sackschuut". Dazu passend dunkle,
selbstgestrickte Strümpfe, ein Kopftuch und zu „Best" Hüte. Männer trugen über den Hemden ohne Kragen Westen
(mit Taschenuhr). Zu „Best": Stehkragen und Zylinder. Holzschuhe und l Paar beste Schuhe ersetzten Gummistiefel
oder Turnschuhe. Kinder liefen meist barfuß. Die Frauen trugen ihre Haare mit Knoten, Mädchen Zöpfe, Männer
kurz und Jungen wurde eine Glatze rasiert.
Um 1800 waren noch 80 % der Landbevölkerung in der Landwirtschaft tätig. Diese Zahl verringerte sich von
42,5 % im Jahre 1882,28,6 % 1907 auf ca. 5 % im Jahre 1990. Im Handwerk drehte sich alles um das Pferd
(Hufe, Geschirr) und den Wagenbau, d.h. Stellmacher, Schmied, Sattler usw.hatten Hochkonjunktur. Dazu
kamen Müller, Schuster, Schneider, Maurer, Hausschiachter. Bargeld war wenig im Umlauf. Die Entlohnung
erfolgte meist durch freie Kost und Logis und mitDeputat (Milch, Kartoffeln, Feuerung u.a.).
Schon 1890 sorgte der Gesetzgeber für eine soziale Absicherung durch die Einführung der Krankenversicherungspflicht,
Berufsgenossenschaft, Unfallkasse und die Rentenversicherung.
An 6-7 Tagen in der Woche wurden 12 und mehr Stunden pro Tag gearbeitet. Ein Urlaubsanspruch bestand nicht.
Die Ende des 18. Jahrhunderts in England erfundene Dampfmaschine trieb Webstühle, Schmieden, Walzwerke,
Esenbahnen, Schiffe, Dreschmaschinen, Meiereien, also fast alles an. Pferde und Kutschen waren um die Jahrhundertwende
das gebräuchlichste Nahverkehrsmittel. Für weite Strecken verfügte die Bahn in Deutschland
1870 schon über ein Schienennetz von 19 575 km. Autos oder sogar Schulbusse kannte man nicht. Die Kinder legten
weite Strecken zur Schule querfeldein und über Sandwege zurück. Asphaltierte Straßen gab es nicht, vorhandene
Wege waren nur teilweise gepflastert und führten in vielen Kurven von Haus zu Haus.
Kosten vor 100 Jahren
Ein Preisvergleich 1890 - 1990
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1890 |
1990 |
| 1 Angler Kuh |
170,00 Mark |
2000,00 DM |
| 1 Angler Kuh wog |
375 Kg |
550 Kg |
| Milchleistung |
2300 Ltr/3,2% Fett |
600 Ltr/5% Fett |
| 1 Liter Milch |
7-8 Pf |
70-80 Pf |
| 1 Schaf |
20 Mark |
250 DM |
| 1 Ferkel |
16 Mark |
100 DM |
| 1 dz Hafer |
16 Mark |
36 DM |
| 1/2 Tonne Kartoffeln |
3 Mark |
100 DM |
| 1 ha Land |
1.500 Mark |
20.000 DM |
| Löhne |
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| Tagelöhner |
200 Mark im Jahr + Deputat, Wohnung und Feuerung |
| Lehrer |
900 - 1200 Mark im Jahr + Deputat, Wohnung und Feuerung |
| Meierist (Satrup 1886) |
1600 Mark im Jahr + Deputat, Wohnung und Feuerung |
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